Tag 5: mit dem Schneemobil zum Polvatnet
 
Willy vom Campingplatz Ansi Touristservice hatte es uns gestern erklärt, wo wir uns treffen sollten ... aber so einfach war das nicht, unser Norwegisch stieß auf Grenzen: und so waren wir ganz froh, als er meinte, seinen Schlitten wird er selbst mit seinem Auto fahren, wir sollten ihm einfach nur folgen.

Kurz vor 11 Uhr an der Storengnesset: heute war es mit minus 11°C nicht ganz so kalt, das Wolkenspiel über dem Fjord war einfach nur bizarr.
Wir starteten nach einem guten Frühstück - es gab wieder wie üblich Toastbrot aus der Pfanne - mit etwas Sonne in unser heutiges Abenteuer.
Nur eins: mann, fühlte ich mich hier wohl.
Es ging los: wir trafen uns mit Willy an der Rezeption - er erzählte uns von Baden im Freien und lud uns ein ... gerade bei den Temperaturen sei das genial ... etwas irritiert sagten wir zu - bei minus 11°C im Freien baden? Wir wollten uns überraschen lassen ... dann lud er den Schlitten in sein Auto und wir fuhren hinter ihm her - nach Alteidet.

Hinter einem Kulturhaus - so hatten wir es zumindest verstanden - wartete der Motorschlitten. Der Schlitten wurde gepackt, am Motorschlitten festgemacht, wir erhielten Helme ... und schon düste unser Gefährt straff bergaufwärts.
Unser erster Stopp nach steiler Bergfahrt: wollen wir weiter, wurden wir gefragt ... natürlich. Bitte alles.
Es ging immer entlang der gesteckten Stäbe, aber trotzdem war es unberührte Natur: gleich am Anfang der Tour erreichten wir die Fylke Finnmark, unser Ziel sollte aber wieder in der Fylke Troms liegen: vorher querten wir jedoch einfach unendliche Schneewelten.
Unser Ziel war der total zugefrorene See Polvatnet auf 584 Höhenmeter: während unser Guide uns ein "Sofa" im Schnee ausgrub, fuhren wir selbst mit Schneemobil über den zugefrorenen See: er hatte ein 85PS-Reisemodell, bei einer guten 60km/h reichte es mir dicke ...
Sein Kumpel kam pünktlich zum Essen: hier oben wurde gefahren, so wie es einfach Spaß machte ... er meinte, jetzt sei der See mit ungefähr einem Meter Eis bedeckt, darüber nochmals einen Meter Schnee.

Urlaubsziel Arktis?

Nein, mein Norwegen!
Na, wer sitzt denn da auf dem Schneemobil? Warum müssen die Mädels immer die Verrücktesten beim Fahren sein ... ;-)
Ein paar Holzstücken wurden auf den Schnee gelegt, Späne angezündet: es brannte. Und es gab Hitze - auf einem dreibeinigem Grill garten Würstchen für uns, die Norwegen futterten die Würste etwas gewöhnungsbedürftig zusammen mit Shrimpscreme und Ketchup ... Mahlzeit.
Samen?

Auf den Rentierfellen im gebauten Sofa und im Kolt (Gákti) störte die Kälte kaum noch.

Ein bissel verrückt war der Guide dann schon noch ... als Spezialität gab es extra ... Rentierherz. Leicht angeräuchert und damit haltbar gemacht: und es schmeckte straff nach Leber. Nein, das ist absolut nicht mein Geschmack ... und übers Feuer gehalten, wurde der Lebergeschmack noch intensiviert - nix für mich.
Auf dem Rückweg stoppten wir an den Skinnelvvannene mit prima Aussicht über dem zugefrorenen Langfjordbotn.
Unser kleines Team beim Ausflug:-).

Wir stoppten an einer Roten-Kreuz-Hütte zwischen dem See nedre Kavringvatnet und dem kleinen Berg Rundfjellet.
Die Fahrt ins Tal ging dann schnell. In Alteidet angekommen quatschten wir noch eine ganze Zeit mit unserem Guide, ehe wir wieder in Richtung Ansi aufbrachen.

Auch, wenn es auf dem Schlitten nicht immer gemütlich war, war es doch eine geniale Ausfahrt in arktische Gebiete.
Auf dem Heimweg verschwand die Sonne gerade hinter einem Berg und bestrahlte nur noch den Himmel: kaum zu glauben, aber seit dem wir in Norwegen waren, also gerade mal seit ein paar Tagen ... nahm die Tagessonnenscheindauer um mehr als eine halbe Stunde zu - mehr als 10 Minuten pro Tag - der Frühling wird kommen. Laut Willy wird im Sommer die Sonne niemals untergehen und statt dessen immer am Himmel kreisen ... das möchte ich auch gerne sehen ;-)!
Noch einmal fuhren wir von Alteidet zum Gletscher Øksfjordjøkelen, wir hatten noch etwas Zeit bis zur Dunkelheit.
Der Gletscher Øksfjordjøkelen mit seiner Zunge Isfjordjøkelen; Nerisen ist der Teil, der direkt ins Wasser führt. Wir standen in Saltnes, von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter in Richtung Gletscher.
Wir suchten noch nach einem Geocache nahe Nygård / Jøkelfjord, nur war dort so viel Schnee ... wir brauchten wieder die Schneeschuhe. Endlich ganz nahe an den Koordinaten, mußten wir doch nach einigen Minuten Kampf aufgeben; es lag einfach zu viel Schnee hier.

Wir fuhren zurück zum Ansi, trafen dort Willy ... und machten das für abends geplante Ereignis fest: baden bei den jetzigen minus 12°C ... im Freien.
Gut gestärkt waren wir pünktlich um 8 abends an der Rezeption: Willy hatte im Holzbottich Wasser eingelassen und seit einigen Stunden den integrierten Ofen mit Holz befeuert.

Der Bottich hatte genug Platz für garantiert 8 Personen, mehr als einen Meter im Durchmesser. Auf der Ofenseite war eine Halterung für Bierdosen, und Willy versorgte uns wirklich gut. Das Wasser war auf eine Temperatur von 38°C aufgeheizt, Willys Frau setzte dem Wasser gut riechendes Öl zu: nach einem kalten Tag auf dem Schlitten war das mehr als angenehm, hier zu sitzen.
Und Willy heizte weiter: es wurde uns so warm, ab und an kugelten wir uns außen im eiskalten Schnee, um abzukühlen: manno, die 12 Minusgrade wurden angenehm!

Es schneite, wir saßen mit Mütze im Kübel wie im Kochtopf. Wir erzählten, die beiden erzählten. Alles in norwegisch, obwohl Willy auch ganz gut deutsch konnte. Ein Tscheche war auch dabei, der im Paddelboot, so wie wir es verstanden, der von Prag bis Alteidet gepaddelt ist ... und sich dann sehr gut in Norge eingelebt hatte ... Skandinavien? Manno, wir fühlten uns mehr als heimisch.

Danke, Willy: das war mehr als Gastfreundlichkeit!

Irgendwann mußten wir dann aus dem überwarmen Wasser raus, am Kochzustand fehlte nicht mehr viel: außerdem wollten wir schlafen, für morgen ... hatten wir ein besonderes Ereignis geplant.

Im Wasserfaß gab es für uns Norwegisch-Unterricht gratis. Und nach einigem Bier und vielen Versuchen ... konnte ich dann auch "Alteidet" richtig aussprechen:-).

Ganz schmerzfrei war die Tour auf dem Schlitten trotz Federung nicht: aber wenn man sich etwas aufrichtete, hatte man unterwegs eine wahnsinnige Sicht - Nordnorwegen ist schön.


Wir fuhren gut 42km mit dem Schneemobil ... und noch heute brauch ich Sekunden, um nicht "snøskooter" [Snöskuter] anstelle Schneemobil rauszubringen ... vielleicht sollte man sich nicht bemühen ..........


Klickt auf die Route für das Höhenprofil der Tour.

zum 4. Tag: in Alteidet auf die Laslettind
zum 6. Tag: Huskytour bei Langfjordbotn

zur Übersicht Norwegen 2011 / Details der Reise 2011

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