Tag 6: auf den Kattanakken
 
Und so standen wir zeitig auf: der Vermieter des Zeltplatzes runzelte etwas mit der Stirn, als wir ihm von unserem Vorhaben erzählten. Aber egal, wir fuhren bei prima Wetter wieder Richtung Gletscher-Parkplatz.

Wir wußten ja noch, bis zur Gletscherzunge werden wir eine Stunde brauchen.
Und dieses Mal wählten wir den "offiziellen" Weg: den über die Brücke. Pferdewagen gab es wohl früher, jetzt kann man sich in kleinen Schleppwagen zur Gletscherstation ziehen lassen - wenn man das Geld dafür ausgeben möchte.
Wir liefen wieder nach oben, unser Weg sollte ja sowieso noch vor der Gletscherstation mal rechts abgehen.

Das ist ein Wasserfall unterhalb der Gletscherzunge - beim Passieren der Brücke gibt es eine gratis Eiswasser-Dusche:-).
Der Wasserfall von oben: ist man hier angekommen, ist die Strecke bis zur Gletscherzunge fast geschafft.

Wir liefen doch wieder bis zum Parkplatz unterhalb der Gletscherzunge und köchelten dort unser kleines Mittag, bevor wir uns Richtung Kattanakken auf dem Weg machten.
Einfach nur bizarr: gut 800 Jahre altes Eis fließt von der Eishochebene nach unten, bricht sich mehrfach an den Felsengen, splittert, bildet Gletscherspalten aus und liegt nun kurz vor meinen Augen: die blaue Farbe wirkt fast schon unnatürlich ... ist aber die Farbe unseres Planeten ... es ist sauerstoffblau. Nahe Voss im Hardangervidda-Gebiet wird dieses Wasser in Flaschen gefüllt und sogar nach Deutschland verkauft ... nahe Stuttgart kostete das Nass 8 Euro den halben Liter, hier kniete ich einfach ab ...
Also ging unser Weg kurz vor der letzten Brücke mal einfach rechts ab ... ein schmaler Pfad startete mit uns unser kleines Abenteuer.
Ab auf den Kattanakken ... unsere "Kakerlake" für den heutigen Tag ...
Gleich am Anfang unterlief uns wohl ein folgenschwerer Fehler - es stand ein Schild mit dem Warnhinweis dort: "Geröll versperrt den Weg" ... tja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil ... wir hatten anderes im Sinn und ignorierten das Schild mal einfach;-).
... und so ging es hunderte Meter nach oben ... irgendwie fassten wir langsam den Ausspruch von gestern .. wir starteten ja bei ungefähr 0m über dem Meeresspiegel .. sagte der gestern nicht was von 1300m??
Die Gletscherzunge war nun schon so weit weg und so klein, dass selbst der Zoom der Knipse nix mehr auflöste ...
Aber die meisten Strecken Richtung Gipfel waren einfach ... es lief gut. Ja, es gab eine kleine Geröllhalde - ein Steinschlag ist wohl abgegangen - es sah dort *etwas* anders als hier aus ... waren wir dort eventuell mit allen 4'en unterwegs? Egal, wir kamen durch;-).
Als wir die 1000m-Grenze schafften, überraschte uns ein kräftiger Regenguß ... aber wir waren vorbereitet.
Wir kamen den Eisfeldern immer näher: die von unten unscheinbaren Spitzen schienen nun schon fast 50 Meter hoch ... nein, man konnte dort nicht näher hin, das war jetzt auch klar ... hier macht die Natur keinen Spaß mehr.
Es war auch klar ... wir werden den Gipfel heute nicht mehr erreichen, es war einfach zu spät. Wir beschlossen 18 Uhr zu stoppen und umzukehren, egal, bis wohin wir es schaffen würden ... ok, wir trafen 15 Minuten vor unserem geplanten Halt noch 2 Männer, die vom Gipfel kamen und uns empfohlen, noch etwas weiter zu laufen ...
... und so war unser Halt bei 1050m - mit doch schon spektakulärer Aussicht über das Tal und über Teile der Gletscher, die man von unten nur erahnen konnte ... irgendwo in dieser Richtung, wohl 10km entfernt, steht unser Zelt ...
Egal, wir fühlten uns trotzdem gut: wir waren auf dem Dach der Erde!
Der Weg nach unten führte wieder über den Steinschlag: wie ein Schüttkegel lag lockeres Gestein übereinander. Eigentlich war es egal, wohin man trat ... alles rutschte. Auch eine Lehre: nächstes Jahr werden wir Seile mitnehmen.
Einfach genial: der Gletscher bei Sonnenuntergang - die letzen Strahlen im Tal galten der Zunge. Trotz der Kälte des Eises ... lag alles im goldgelben Licht der untergehenden Sonne. Ab jetzt ... war alles heute nur ein schöner Ausflug:-)!
Nein, keine Blumen ... hier war es nur noch Faulheit: hier kam der Berg zum Propheten oder der Heidelbeerstrauch zum Mund ...
Hallo, Kattanakken, ein Schwur aus dem Herzen: im Jahr 2007 werden wir auch deine Spitze erklimmen!!
Das ist das Geröllfeld von unten ... eigentlich sieht das 100 Meter breite Feld ja total harmlos aus. Und den Neigungswinkel wie ein Schüttkegel sieht man von hier aus auch nicht. Aber irgendwie deutet die helle Farbe doch auf ein Problem hin ... aber ... wir werden es wieder lösen;-)!
Zurück am Zelt war das Essen das Wichtigste: einfach nur Kraft tanken ... und dann davon träumen, dass alles nochmals erleben zu dürfen:-)!

zum 5. Tag: Briksdalsbreen
zum 7. Tag: gamle Strynefjellveien/Gletschermuseum

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