Tag 9: die Lodalskåpa
 
Das Wetter verbesserte sich deutlich und wir starteten heute zu einem Abenteuer: alleine, ohne Führer auf die Lodalskåpa sollte es gehen.

Waren die Gletscherkurse in Österreich ausreichend, werden wir es schaffen?
Der Blick vom Zeltplatz aus in Richtung Kattanakken versprach bestes Wetter: am frühen Morgen brachen wir ins Nachbartal Lodal auf.
Im Lodal fuhren wir in Richtung Gletscher ... und eigentlich dachten wir, die Roste "Ferist" sollten die Tiere von der Querung abhalten ... aber in Norwegen ist irgendwie alles anders.
Nach nur kurzer Denkpause ... liefen die Ziegen einfach über die Roste. Man balancierte.
Wir fuhren zum Bødalsseter hoch, waren jedoch zeitiger hier als bei unserem ersten Anlauf in diesem Jahr.
Wir waren zuversichtlich: heute packen wir es. Wir waren bei den Guides, die uns freundlicherweise berieten. Der Weg war geklärt und uns damit eine große Sorge genommen.
Blauer Himmel begleitete uns beim Start heute ... hoffentlich hält das Wetter so durch, der Wetterbericht ... ... war eher gemischt.
Genau hier ... verlässt man die "Normalroute" zum Bødalsbreen in Richtung Lodalsåpa. Es geht neben dem linken Wasserfall nach oben, die Strecke verläuft nur wenige Meter rechts neben dem Wasserfall steil nach oben.
Und wir waren gut drauf: die ersten paar Höhenmeter beim Wasserfall wurden in Spitzenzeit bewältigt, die erste Pause wurde oben auf der Hochebene gemacht, mit Blick zurück ins Bødalen.

Norwegen ist ein wunderschönes Land.
Der Blick in die andere Richtung ... zum Brattebakken ... wies auf die nächste Anstrengung hin ... es gab ein "paar" weitere Höhenmeter zu bewältigen.
Unterhalb des Bohrsbreen kann man sich entspannen, bevor es zum Brattebakken steil nach oben geht.
Der Brattebakken machte seinen Namen wieder alle Ehre: steil ging es in Serpentinen nach oben, innerhalb weniger Meter ... werden Höhenmeter geschrubbt. Nur gut, dass oben einige Wasserläufe sind, auftanken ist dort möglich, man braucht kaum Trinkwasser mit hochtragen.

Kurz vor dem Übergang zum ersten Schneefeld holten wir die erste Gruppe ein, die wohl eine halbe Stunde vor uns am Bødalsseter gestartet ist: wir waren gut unterwegs.

Trotzdem machten wir hier eine Pause, wir hatten unseren Kocher mit, es gab warmes Essen ... und sofort fühlten wir uns wieder wohl.
Die Steilschneefelder rauben Kraft, aber wir kamen wirklich gut voran.
Oben am Hauptgletscher angekommen, seilten wir uns an. Es galt, den Gletscher zu queren.
Gut in Übung hatten wir in kurzer Zeit die Ausrüstung komplett an, es konnte über den Gletscher gehen.
Maik war heute unser Führer: und wir querten das Eisfeld ohne Einbruch. Direkt vor uns lag das Steilschneefeld, das wollten wir heute hoch.
Unterwegs sah man immer wieder Risse im Schnee und Eis ... Spalten gab es genug, die Frage war nur, wann bricht der Schnee über einer solchen Spalte weg, wann rutscht man nach unten?
Wir erreichten die andere Seite des Gletschers ohne Probleme, jetzt galt es, dem steilen Schneefeld nach oben zu klettern.
Mit nach unserem Ermessen ausreichender Sicherungstechnik kletterten wir das Schneefeld hoch: wir erreichten den nächsten Bergrücken gut.
Wir folgten den Spuren in Richtung Gipfel ... immer wieder querten wir dabei schneefreie Stellen.

Es lief einfach super heute, wir fühlten uns gut.
Beim Vorgipfel wurde es wieder steiler: nur nicht abrutschen, es ging garantiert 1000 Meter direkt nach unten.

Vor uns lag die Lodalskåpa, die Vestlandsdronninga.
Es wurde windiger, Wolken zogen auf. Das Wetter würde kippen, das war klar: aber so kurz vor dem Gipfel konnte es nur noch nach vorne, nach oben gehen.
Beim Vorgipfel sahen wir zum ersten Mal den Lodalsbreen ins Tal gehend: wir standen kurz vor dem Gipfel.
Direkt vor dem Gipfel wird es steil: das Schneefeld endet 800 Meter tiefer im Kåpevatnet ... man sollte hier besser nicht abrutschen. Die letzten Meter werden am Fels geklettert, die Lødalskåpa guckt nur ein Stückchen aus dem riesigen Gletscher raus, das aber wohl schon seit ewig so.
Der Kåpevatnet, dahinter ist Skåla: eine wahnsinnige Sicht.
Der Kåpevatnet ist heute ein riesiger Eissee, letztes Jahr sah man nicht mal, dass das überhaupt ein See ist ... wir kletterten die Felsen hoch und überholten die nächste geführte Gruppe, die wohl eine Stunde vor uns bei Bødalsseter startete: wir waren super unterwegs.
Direkt am Gipfel ist eine Wächte in Richtung Süd ... siehst du das Steinmännel? Wie beflügelt ging es die letzten Meter für uns ... wir hatten es geschafft, ganz alleine waren wir kurz vorm Gipfel.
Die Lodalskåpa!
Unser kleines Team war absolut erfolgreich, wir hatten die ersten 50% geschafft ... wir waren oben!

Und wir fühlten uns gut, der Abstieg wird gelingen, das war sicher.

Ich war ganz stolz auf uns: für uns war das eine spitzen Leistung: wir standen auf dem höchsten Punkt des Gletschers Jostedalsbreen!
Kurz nach uns kamen auch die geführten Touren an, wir saßen oben am Top und stärkten uns: die Wolken wurden leider immer dichter.
Schnell wurden noch Bilder gemacht, es wurde klar, viel Zeit würde uns nicht mehr bleiben.
Das ist der Lodalsbreen von der Kappe aus. Wir fühlten uns richtig gut, auch wenn die Füsse langsam kalt wurden: die Wolken verdichteten sich immens.
Und so brachen wir wieder talwärts auf, stiegen die Felsen ab, bis wir die Schneefelder erreichten: aber hier galt es sich wieder anzuseilen.

Es ist der steilste und unangenehmste Teil der Strecke.
Ganz nahe des Felsbandes liefen wir in Richtung Vorgipfel: die Wolken zogen immer mehr zu, es fing an zu regnen, zu schneien.
Und schon kurz danach fühlten wir eine der alpinen Gefahren deutlich: Orientierungsverlust. Die Spur von heute morgen war komplett verschneit, kaum sah man den Weg. Es schneite, es stürmte, die Hand vor den Augen soll die eigene sein?
Doch wir waren schnell: wir stiegen flink ab, erreichten die steile Schneestelle in kürzerer Zeit als erwartet. Und wir konnten uns einer Gruppe anschließen, die kurz vor uns lief: so fühlten wir uns gleich viel sicherer, so werden wir zurück ins Tal kommen.
Das Wetter beruhigte sich wieder, wir stiegen weiter ab: ist das nicht eine prima Ausssicht?
Kurz vor dem Steilschneefeld sollten wir nochmals aufmerksam absteigen, aber ... unser Vertrauen war gewachsen.
Unproblematisch erreichten wir den Hauptgletscher: wir sicherten die Strecken jeweils mit einem toten Anker ab und nutzten auch die offiziellen Sicherungspunkte, die wir erst jetzt gefunden hatten: im Steilhang lagen Karabiner, an die man sich einbinden konnte.
Tief hängende Wolken begleiteten uns über den Jostedalsbreen zurück zum Bohrsbreen, hinab zum Brattebakken.
Ein Blick zurück zur Lodalskåpa zeigte, wir waren genau zur richtigen Zeit oben am Top, jetzt war alles zugezogen.
Ganz stolz erreichten wir das Steinmännel nach dem Gletscher auf dem Festland wieder: wir machten Pause, bevor wir weiter abstiegen: die steilen Schnee- und Geröllfelder werden wieder viel Kraft kosten.
Brattebakken von oben: noch gut 1000 Höhenmeter sollte es abwärts gehen, eh wir wieder im Tal sein würden ...
Unsere letzte Pause wurde oberhalb der Wasserfälle gemacht, mit prima Sicht ins Bødal.
Die letzten Meter wurden schnell gemacht, wieder wurde diskuttiert, ob man sich schnell noch 'ne Pizza holen söllte ... also Beeilung, ehe die Tanke in Loen schließt ...
Das Bødalsseter ist Startpunkt für viele wunderschöne Touren im Bødal: schlafen kann man hier wohl auch, aber bis zum Oldendal war es ja nicht allzu weit.
Die Lodalskåpa ... und wir waren oben und das ohne Gletscherführer.
Wir waren oben auf der Lodalskåpa und waren mächtig stolz, dass ohne Führer geschafft zu haben.
Wir waren 13 Stunden unterwegs und liefen bis zur Kappe und zurück 27km, machten dabei einen Höhenunterschied von ca. 1500 Metern - eine anstrengende Tour.

zum 8. Tag: Klettersteig Hjelledalen
zum 10. Tag: Gytridalen

zur Übersicht Norwegen 2010 / Details der Reise 2010

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