Tag 3: der Storeskaret
 
Sollte sich heute ein Traum vieler Jahre erfüllen? Eine ganz verrückte Gletscherquerung mit Start bei Aabrekke im wunderschönen Oldendal: Ziel? der Kattanakken über Slingsby Varden. Etwas Gletscher zwischendurch ...

Wir starteten zeitig am Tag, das Wetter zeigte sich deutlich schlechter als gestern: wir sahen die Tour schon jetzt eher als Übung anstelle eines Erfolges. Aber ... irgendwann muß man starten, um Großes zu schaffen.
Startpunkt Aabrekke im Oldendal: unvorstellbar, wie man diesen steilen Berg überhaupt hoch kommen kann. Frontal sieht man eine Schlucht "Styggegjølet". Es sieht aus, als wenn jemand mit dem Messer eine tiefe Scharte in den Fels geschnitten habe, steil, kaum zu überwinden.
Wir starteten in Richtung Brenndalen, genau wie der die Tourenbeschreibung es uns sagte. Wir hofften nur, unser Norwegisch war gut genug, alles zu verstehen ...
Ja, es stand da, der Weg sei selten begangen ... eigentlich sag man unterwegs NICHTS vom eigentlichen Weg. Und so brauchte es nicht lange, da war vom Weg nichts mehr zu sehen.
Wir verliefen uns recht schnell, querten den Wald, so wie es irgendwie ging ... und standen auf einmal an einer alten Steinschlagstelle.

Egal, wie wir suchten ... auf der anderen Seite des Steinschlages führte kein Weg weiter, wir liefen querfeldein durch den wirklich ziemlich steilen Wald hier.

Immer wieder standen wir an glatten Felswänden, mußten umkehren, andere Strecken suchen: wir brauchten viel Zeit für die Strecke ... viel mehr, als angenommen.
Die Wege wurden enger, die Terassen am Fels schmaler. Die Wegebeschreibung nutzte wenig, hier war Gefühl und Vertrauen angesagt. Eigentlich sahen wir keinen Punkt der Wegbeschreibung unterwegs.
Bis auf diesen: ein markanter Fels sollte links umgangen werden, und das war eindeutig: wir waren wieder auf Kurs.

Aber das Wetter wurde deutlich schlechter, wir wollten versuchen, zumindest den ersten Gipfel, den Storeskaret, zu erreichen.
Gleich nach dem markanten Fels hatten wir wie angekündigt die erste Sicht auf den Briksdalsbreen von oben: bei unserem ersten Besuch hier im Tal hätte ich es für unmöglich gehalten, jemals hier oben stehen zu können ...
Gegenüber am anderen Ende des Tales sieht man von links nach rechts ... den Berg Dauremålet, den Gletscher Tjøtabreen, Slingsbyvarden und schließlich Kattanakken: unsere Tour lag vor uns.
Für heute war klar, das wir nur die erste kleinste Etappe starten würden, eben nur eine Erkundungstour.

Am Åbrekkenibba liefen wir auf das Höhenniveau 1059m zu.
Der Blick zurück zum Delta des Flusses Dalelva im Oldedalen: wäre das Wetter besser, hätte man von hier beste Sicht. Ein mehr als empfehlenswerter Platz!
Der Regen holte uns ein, aber bis in das Joch wollten wir noch aufsteigen, vielleicht sogar bis zum Top des Storeskaret.

Etwas planlos querten wir die steilen Steinplatten unterhalb des Åbrekkenibba und kamen irgendwie trotzdem am wieder markanten Stein kurz vor dem Joch auf dem richtigen Weg zurück.
Wir standen am Joch vor dem Storeskaret, gleich danach trohnte der Gipfel des viel höher gelegenen Svartenibba fast schon unerreichbar.
Vom Joch aus sieht man ebenfalls den Gletscher im Brenndal: den Brenndalsbrenn von oben.
Das Joch zwischen dem Åbrekkenibba und dem Storeskaret: hier wird absolut klar, wir stehen an einem schmalen Aufstiegsgrat.
Aber das Wetter holte uns viel schneller als gedacht ein: es schüttete wieder mal.

Und so entschieden wir, hier ... am Top des Storeskaret ... für heute umzukehren.
Der Blick zurück zum Åbrekkenibba ist schon faszinierend: wir wußten, hinter diesem steilen Bergrücken führt ein fast senkrechter Weg nach unten. Finde also den richtigen Weg zurück nach unten, den wenig beschriebenen ...
Manno, hier möchte ich gerne bei bestem Wetter sitzen wollen: man hat garantiert einen wunderschönen Ausblick.

Heute drängte der Regen auf Abstieg.
Wie im richtigen Leben: man sollte den schmalen Pfad niemals verpassen.

Tage danach lernten wir eine weitere Lektion: vertraue auf dich selbst, es geht immer weiter.
Wir querten den Bergrücken zum markanten Stein und damit zum Pfad quer durch den Wald zurück.

Ein letzter Blick zum Briksdalsbreen, danach wanderten wir in Richtung Nord und verloren damit die Sicht zum Gletscher.
Der Weg talwärts: ein kaum erkennbares und eben ein ziemliches schmales Band führt nach unten. Ab und an zeigt ein roter Fleck an Bäumen oder Steinen, man ist noch auf dem Weg ...
Die grüne Hölle: viel Wasser bedeutet viel Wachstum. Und es gibt hier sehr viel Wasser.

Wie schon mehrfach verloren wir die Sicht für den Weg abwärts und folgten unserem Gefühl, das so schlecht aber nicht lag.
Die Wiesen waren schon ziemlich heftig: an der einen Seite war der Weg klar markiert, dann ... gab es auf langen Strecken keinen Hinweis.
Bei strömenden Regen stiegen wir ab; und irgendwie fast schon wie erwartet verloren wir den Weg: die letzten 300 Höhenmeter querten wir den Wald nach unserer Spur.
Ziemlich genau am Startpunkt, am Punkt des Verlassens des offiziellen Weges ... kamen wir auch wieder zurück: hinter uns sieht man den Brenndalsbreen.

Wir waren komplett durchnässt und schon deshalb glücklich, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Aber viel zufriedener waren wir, weil wir einen wesentlichen Teil des Weges erkundet hatten ...
Die letzten Meter zum Auto zurück führten quer durch eine Weide und es schien, als wenn die Kühe hier selten Menschen zu sehen bekommen würden ...
Route 1: heute liefen wir gut 22km, machten dabei einen Höhenunterschied von 1058 Metern beim Aufstieg.

zum 2. Tag: vom Sjodal ins Oldendal
zum 4. Tag: zum Bødalsbreen

zur Übersicht Norwegen 2011 / Details der Reise 2011

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