Tag 11: der Glittertind
 
Das Wetter meinte es dieses Jahr gut mit uns: kaum Wolken am Himmel, konnte es heute nur eine gute Tour werden. Unser Zelt blieb auf dem Gjeilo Campingplatz stehen, mit dem Campingplatz Spiterstulen hatten wir eher schlechte Erfahrungen gesammelt.
Aufbruch, nachdem die Rucksäcke gepackt waren: wir fuhren zum Rv55 nach Bøverdalen, in Røisheim in Richtung Spiterstulen.
Die Strecke bis hierher ist eine Mautstrasse "Bomveg", im Hotel Spiterstulen bezahlt man die Gebühr. Wir erhielten zusätzlich eine Belehrung über den Weg zum Glittertind: Achtung, eine Schneewächte ist am Gipfel.

Unser Auto parkten wir abseits vom offiziellen Parkplatz am Spiterstulen Hotel etwas weiter bergab, nahe am Startpunkt zur Route zum Glittertind.
Gut gelaunt starteten wir die Tour, und schon bald wirkten die Häuser am Spiterstulen wie Puppenstubenzubehör.
Die Strecke lief sich gut: es war nicht zu steil, der Weg ist ausgetreten, nur ab und an mußten man über Steine klettern.
Und so schafften wir den ersten Abschnitt viel schneller als erwartet. Spiterstulen ist auch ein möglicher Startpunkt für die Tour zum Galdhøpiggen, und den ... wollten wir ja morgen machen.
Nahe dem Berg Skautkampan (1443m) hatten wir den ersten Abschnitt geschafft, ab hier ging es durch ein langgezogenes, steiniges Tal weiter.
Gleich am Anfang des Tales machten wir Rast: und hier gabelte sich auch der Weg, einmal zum Glittertind, der andere nach Glitterheim.
Wir querten die Flüsse Skauta und Steindalselve.
Dann begann der Anstieg zum Steindalen.
Und das ist ein schier endloser Anstieg.
Denkt man, nun hat man endlich das Ende von Stein und Geröll erreicht ... sieht man, nach der Anhöhe ist der nächste Anstieg ...
Trotz der scheinbar unfruchtbaren Gegend ... wachsen immer wieder Blumen ... eben die "Pionierpflanze", meinte John auf der Tour zur Lodalskåpa.

Das ist die Frühlings-Kuhschelle, auf norwegisch "Mogop".
Die einzige Abwechslung auf dem steinigen Weg ist das Farbenspiel des Gesteins: hier scheinbar mit hohem Eisenanteil?
Wir haben schon viele Höhenmeter seit dem Tal überwunden!
Aber der Blick nach oben zeigt ... wir sind noch lange nicht am Gipfel. Und das zehrt langsam an den Kräften, aber wir wußten ja ... wir müssen weit mehr als 1000 Höhenmeter laufen.
Unendliche Gesteinsmassen liegen bereits hinter uns, alle benachbarten Berge erscheinen bereits niedriger: es konnte nicht mehr weit sein.
Wir querten die ersten Schneefelder, es wurde kalt und windig.
Und endlich ... sahen wir nur noch Schnee: das mußte das Ziel sein!
Wir wußten ... der Gipfel ist eine Eiskappe. Ohne Eis ist der Glittertind 2452m hoch, durch das Gletschereis ist der wirkliche Top jedoch auf 2465m, also 13 Meter hohes Eis liegt auf dem Gipfel.
Und der Gipfel ist durch eine Wächte begrenzt: also Vorsicht, nicht zu nahe an die Kante!

Wir hatten es geschafft, der 2. höchste Berg von Skandinavien war erklommen!
Wir hatten Glück - prima Wetter brachte uns fast perfekte Rundumsicht.

Der See ist der "nedre Steinbuvatnet" (auf 1500m), am Ende des Sees liegt Glitterheim auf 1384m.
Hinter der Glitterrundhøe sieht man die Spiterhøe, Veobreatinden, die Leirhøe und den Gletscher Veobrean: wir sind verdammt hoch hier.
Von hier aus kann man den höchsten Berg Skandinaviens und unser morgiges Ziel sehen: den Galdhøpiggen.Klickt auf das Bild: wenn ihr genau hinschaut, seht ihr die "Normalroute" zum Gipfel als ausgetrampelten Weg!
Es wird kalt, wir sind hungrig: wir packen zusammen und starten den Abstieg.

Eine straffe Wächte!
Schnell noch einen Blick auf den sich teilenden Gletscher unterhalb der Leirhøe ...
... und dann zurück ins Tal.
Beim Abstieg kann man den Weg irgendwie viel besser sehen und erkennen, wir laufen jetzt wirklich auf der Strecke.
Glittertind, "Glitzerzinne" ... bedeutet soviel wie "funkelnder Berg", eben wohl genau wegen der vielen in den Steinen eingeschlossenen Glimmerpartikel - wie in diesem Stein.
Nach einem kleinen Unfall an einer steilen Stelle ging es für uns nicht mehr ganz so schnell voran, der Weg wurde ewig lang - wir brauchten für den Abstieg länger als für den Weg nach oben.
Der Gipfel lag jetzt in Wolken; aber den Weg nach oben kann man gut nachvollziehen.
Etwas angeschlagen kamen wir am Wegweiser an, der letzte Abschnitt lag vor uns.
Aber wir konnten unser Auto von hier aus schon sehen, wir hatten es bald geschafft.

Die Farbe des Flusses verrät seine Herkunft: das ist Gletscherwasser.
Wir hatten es geschafft, wir waren im Auto und wieder auf dem Weg nach Lom: es war eine anstrengende, aber wunderschöne Tour.

Die Kuh hatte auch ein Einsehen mit uns ... und ging freiwillig von der Straße:-).
Der lange, steinige Anstieg zum Gipfel ist der schwierige Teil der Strecke: man sieht das Ziel nicht und steht immer wieder vor neuen steilen Strecken. Aber bei gutem Wetter wird man durch eine geniale Sicht belohnt.
Die Tour war 25km lang, wir machten dabei ca. 1500 Höhenmeter. Wir waren etwas mehr als 10 Stunden unterwegs.

zum 10. Tag: vom Oldendal nach Lom
zum 12. Tag: der Galdhøpiggen

zur Übersicht Norwegen 2009 / Details der Reise 2009

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