Tag 3: Klettersteig Pockkogel
 
Wieder klingelte unser Wecker zeitig, bei diesem schönen Wetter wollten wir ins Nachbartal Kühtai, dort gab es einen Klettersteig ...

Der Morgen war eisig kalt, unser Zelt war dick mit Eis bepackt, alles war gefroren. Zuerst wurde die Zeltheizung in Gang gesetzt, wir haben eine Gasheizung. Schon wenige Sekunden nach dem Zünden des Gases fing alles an zu tropfen ... das Zelt taute auf.

Im Tal lag förmlich die Kälte: sogar gut eine Stunde nach Weckerklingeln war es noch kalt ohne Ende.
Aber weit kamen wir nicht; an der Kreuzung bei der Polizei in Längenfeld wurden wir gestoppt: von einem Festumzug. Den Grund des Umzuges erkannten wir nicht, wir warteten ab und fuhren danach talauswärts.
Das Auto wurde in Kühtai geparkt und genauso wie in Vent waren die Lifte außer Betrieb, wir liefen also von Kühtai zur Dreiseenhütte.
Der Weg ging lange Zeit weg von der Dreiseenhütte und wir waren unsicher, ob wir richtig laufen, Beschildung gab es nicht. Doch irgendwann machte der gut ausgebaute Weg einen Knick und ging in die andere Richtung weiter: genau auf die Dreiseenhütte zu.
Am Hirschebensee macht der Wanderweg kehrt und führt direkt auf die Dreiseenhütte zu. Die Höhenmeter waren gut zu meistern, es war noch immer ziemlich frisch, also konnte man gut und schnell laufen.
Bald schon erreichten wir die Dreiseenhütte, hier machten wir ein paar Minuten Pause ... und versuchten, unser Ziel auf der Karte auszumachen.

In Richtung Bergstation des Liftes ging unser Weg weiter, also hier links neben der Hütte vorbei.
Das ... war das Tagesziel, der Gipfel des 2807m hohen Pockkogels. Durch die steile Nordflanke führt ein Klettersteig mit der Schwierigkeit D/E, das war der favorisierte Weg für uns:-).
Am Ende des Tales liefen wir auf den riesigen Schattenwurf des Berges zu: wir standen vor einer Nordwand ... wieder mal. Im noch sonnigen, steinigen Gebiet unterhalb des steilen Berges rasteten wir ... und machten schon mal den Einstieg zum Klettersteigs aus.
Schon die ersten Meter im Geröllfeld unterhalb der Wand machten klar, was uns erwarten wird: alles war gefroren und schneebedeckt, es war glatt und eiskalt. Immer wieder stürzte Material von oben herunter ... hoffentlich geht das heute gut, fragten wir uns. Bis zur wirklichen Einstiegsstelle des Klettersteigs gingen wir schnell, wir wollten den unsicheren Abschnitt schnell passieren.

Aber bereits hier lockte die Aussicht ... wir mußten einfach hoch auf den Klettersteig:-)!
Durch diese Rinne geht das Seil hoch: die Gurte wurden angelegt, wir machten uns für den Aufstieg bereit.
Und schon hörte man das beruhigende Geräusch der klackenden Karabiner am Stahlseil: es geht los.
Im unteren Teil ist der Klettersteig perfekt ausgebaut ... naja, die Tritte geben etwas nach, wenn man den Fuß drauf setzt: nichts für schwache Nerven. Man findet lange, oft senkrechte Aufstiegsstrecken ... ein bissel Kondition sollte man also mitbringen.
Junior kletterte wieder mit übelster Geschwindigkeit voran, aber es gibt immer wieder Pausenmöglichkeiten.
Das Geröllfeld liegt bereits einige hundert Höhenmeter zurück, aber der Klettersteig macht absolut Spaß: wir waren weit weg von den täglichen Dingen, hier waren wir nur auf uns angewiesen.
Manno, es gab immer wieder faszinierende Abschnitte: fast senkrecht ging die sehr glatte Wand nach oben: wir setzten auf Reibung an der Wand und kamen mit geringem Kraftaufwand hoch.
Doch dann ... am Ausstieg oben an der Rinne ... endete das Stahlseil. Die schmalen Stellen waren total verschneit und gefroren, jeder Tritt brachte Eis und Steine ins Rutschen.
Sachte stiegen wir weiter auf, ein mulmiges Gefühl sollte man unter Kontrolle halten ... einige Höhenmeter weiter oben sahen wir wieder das Seil, und als die Karabiner dort einrasteten ... atmeten wir auf.
Der Blick zurück nach Kühtai: ein Stausee war zu sehen, die Bergstation des Dreiseenlifts.
Wir machten uns an die letzten Meter des ersten Abschnitts ... auch hier endete das Seil wieder und man konnte - vielleicht auch durch den Schnee bedingt - nicht erkennen, wo der Weg eigentlich lang gehen müßte. So versuchten wir zuerst die falsche Richtung, der Ausstieg am ersten Abschnitt geht über einen großen Stein mehr rechts ... nicht links.
Der Pockkogel ... wir befürchteten, wir müßten die Eisrinne links neben dem Gipfel hoch ... aber das konnte ja nicht sein ... so einen Weg nutzt man nicht ...
Wir kamen zurück auf die Sonnenseite des Berges, aber der Wanderweg nach dem ersten Abschnitt des Klettersteigs ist kaum zu erkennen.
Mit dem Fernrohr suchten wir den Berg gegenüber ab: wir fanden den Einstieg in den nächsten Abschnitt und atmeten auf: links neben der Rinne ging das Seil nach oben, aber es sah sehr sehr steil aus.
Und so querten wir zuerst das steile Schneefeld vor dem Berg, bevor wir uns wieder am Seil festmachten.
Und dann ging es aufwärts: eine steile Wand. Es kostete Kraft und Nerven, aber es ist wunderschöne Kletterei.
Wir hatten gelesen, unterwegs gäbe es einen Parkplatz ... es gibt ihn:-)!
Steil ging es auf den Gipfelgrat zu, der Weg war wieder verschneit, das Klettern wurde erschwert.
Doch dann tauchte plötzlich der Gipfelgrat vor uns auf, die Sonne schien und wir hatten perfekte Aussicht: die ganze Last und Sorge fiel von uns ab, wir genossen einfach.

Der Weg geht kurz unterhalb des Grates weiter, der wirklich nur wenige Zentimeter breit ist: dort, wo mein Junior steht ...
... konnte man den Blick über den Grat ins Tal auf der Nordseite haben: es ist eine wunderschöne Tour!
Wir kamen am oberen Ende der Rinne an: steil ging es ins Tal abwärts, hier kommt garantiert ständig Material von oben.
Der letzte Abschnitt stand bevor: der Gipfelsturm. Der Weg sollte rechts zur Nordwand zurück führen, dann nahezu senkrecht nach oben gehen: zum Gipfel.
Man konnte den Verlauf der Strecke kaum ausmachen, es ging nur steil ... nach oben.
Und nein, es war nicht nur senkrecht, es war leichter Überhang: mit etwas Kraft und Vertrauen in Reibung schafften wir die Strecke in ein paar Zügen, eigentlich leichter, als vorher gedacht.
Und so tauchte das Gipfelkreuz schon vor uns auf ... nur wenige Meter noch, dann waren wir oben.
Der Blick zurück zum Gipfelgrat ... das war unser Weg nach oben.
Ohne Worte :-).
Wir saßen ein ganzes Stück auf dem Gipfel, die Rundsicht war nahezu perfekt ... aber der Herbst war zu spüren, es wurde kalt und wir bereiteten und auf die zweite Tourhälfte vor, auf den Abstieg.
Der Weg nach unten führte uns über die Normalroute zum Speicher Finstertal über die Westflanke.
Am Ende des Sees bogen wir wieder in Richtung Dreiseenhütte ab, dort ging ein Weg direkt auf Kühtai zu, bergaufwärts liefen wir den Umweg über den Hirschebensee, zurück wollten wir die Abkürzung nehmen.
Der Speicher Längental in Richtung Oetz lag schon im Schatten, als wir auf dem Weg ins Tal waren ... es war ein anstrengender, aber wunderschöner Tag ... der Klettersteig war die perfekte Wahl (für uns).
Der direkte Weg ist der kürzeste: steil ging es nach unten, aber es lief sich ganz gut.
Der Pockkogel ... erst waren wir unsicher, ob wir den Gipfel über den Klettersteig packen ... aber Respekt vor den Bergen ist immer richtig, wenn man sich auf einen solchen Weg begibt: und unser kleines Team war erfolgreich. Und ich bin mir sicher, dass wir diesen Klettersteig nochmals machen werden, dafür war der einfach zu schön.
Dieses Mal fuhren wir von Längenfeld aus in Richtung Nord, vor dem Ende des Ötztals bogen wir nach Kühtai ab. Und auch hier ging es straff aufwärts in ein bekanntes Skigebiet: für unsere Tour brauchten wir aber ganz gewiss keinen Schnee.


Auch hier waren die Lifte nicht in Betrieb, wir liefen also von Kühtai bis zur Dreiseenhütte und gingen danach durch den Klettersteig und wieder zurück bis nach Kühtai: ist das nicht eine prima 8 geworden;-)? Gut 800 Höhenmeter gingen wir heute: die Meter des Klettersteiges waren die angenehmsten Meter:-).

zum 2. Tag: Gletscherkurs am Rofenkarferner
zum 4. Tag: Klettersteig Lehner Wasserfall und Steinwand Klettersteig Pitztal

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