Tag 4: zur Ostegghütte
 
Unser Wecker klingelte wieder zeitig: heute wollten wir an die Ostflanke der Eigernordwand, zur Ostegghütte. Dank des netten Kontaktes in der Jungfraubahn hatten wir den Einstiegspunkt zum Kletterpfad, wir mußten den Anfang nur noch finden ...

Im Oktober kann es schon mal kalt werden: heute morgen hatten wir wieder leichten Bodenfrost und der Himmel war zugehangen. Aber unsere Bahn nach Alpiglen ging und wir hofften, das Wetter macht das, was der Wetterbericht vorhersagte ...
An der Station Alpiglen angekommen, marschierten wir in Richtung Eigertrail. Und dann nicht nach Eigergletscher, eher nach Grindelwald.
Etwas komisch war das schon, wir wußten, der Start in den Klettersteig war bei 2300 Metern über NN und der Weg ging hier erstmal ins Tal.
Wir liefen noch ein ganzes Stück nach unten, immer entlang der Eigernordwand, die bedrückend neben uns aufstieg: gibt es einen Weg nach ganz oben ... für uns?
Für uns ging der Weg heute ... in Richtung Ostegghütte. Wir hatten den Einstieg gefunden. Nun mußten wir bis zur Wand, bis zum eigentlichen Klettersteig, "nur" noch gut 800 Meter Höhendifferenz bewältigen.
Und es ging wirklich steil nach oben ... wir hatten wieder mal viel zu viel Gepäck mit und das spürten wir jetzt.
Aber wir hatten oft Blickkontakt zum Eiger. Die ständige Kälte machte den Berg noch unnahbarer ... eben ehrfürchtig.
An vielen Stellen waren Seile ausgelegt: bei starkem Regen wird man diese brauchen. Für uns waren heute Handschuhe viel wichtiger als die Seile ... es war sau kalt.
Noch ein steiler Anstieg, irgendwo dort mußte der Klettersteig beginnen ... hofften wir.
Selbst das Ziel konnte man schon mit optischen Zoom sehen: da oben mußte die Ostegghütte sein. Aber wir sahen unsere Chancen sinken, die Hütte zu erreichen ... wir hatten viel zu viel Zeit auf dem Weg bis hierher gebraucht. Aber wir wollten es wenigstens probieren.
Bald erreichten wir die Wolkengrenze: der Berg und die Wolken lieferten sich ein bizarres Spiel - es war fantastisch.
Und das war unsere Richtung, nach Osten: dort war es noch kühler und dunkler als an der gesamten Wand. Aber es war kein Muskelspielen des Berges gegen uns: wir konnten in die Wand starten.
Hier sind wir kurz vor dem Einstieg in die Wand: eine kleine Geröllstrecke trennte uns von der Wand. Aber es gab keine Seile am Start, das machte uns etwas Bauchschmerzen. Gut, wir hatten eigene Seile mit, wir konnten uns notfalls selbst sichern.
Aber bevor es losgehen sollte, wollten wir uns noch stärken: wir waren auf 2300 Metern über NN, von hier aus sieht man Grindelwald. Wir sahen gegenüber den Männlichen und in der anderen Richtung das Schwarzhorn.
Und vom Einstieg trennten uns nur noch wenige Meter: am Fels angekommen machten wir uns kletterfertig.
Direkt am Einstieg stand wieder der Gefahrenhinweis ... aber wir wollten es ja nicht anders;-).
Das Seil gabs erst nach einigen Metern, aber bis dahin gehts auch ohne - ein kleiner, schmaler und eigentlich trittsicherer Pfad führte am Fels nach oben.
Schwierigkeitsstufe 3,5 machten sich bemerkbar: es ging steil nach oben, aber wir fühlten uns dabei total wohl.
Leider waren wir viel zu spät hier, so mußten wir einen Punkt zum Abbruch festlegen oder ... nach Grindelwald zu Fuß zurücklaufen. Ja, ich wußte, das Ostegg bildet einen Grat, wir hätten über den Gletscher sehen können ... aber man sollte vernünftig sein ...
Und so entschieden wir an diesem Punkt ... kurz vor dem nächsten Aufstieg, dem Wechsel von Geröll zur Felswand ... wir entschieden den Abbruch.

Aber damit war auch entschieden ... wir würden wieder zurück kommen. Nicht nur, um diesen Klettersteig zu machen ... es ist eine wunderschöne Gegend, deshalb würden wir wieder hierher fahren!
Der Abstieg war aufregend: erst jetzt fiel es wirklich auf, dass man hier an den Klammern gespart hatte ... manchmal waren alle 2 Meter nur eine Klammer .. also ganz nach unserem Geschmack.
An manchen Stellen hatte genau ... nur ein Schuh Platz.
Und für uns kleine Bergsteiger war der Klettersteig schon ein besonderes Erlebnis: und wir fühlten uns überhaupt nicht unwohl.
Und wir waren schon traurig, dass wir es heute nicht geschafft hatten ... aber man soll abbrechen, wenn man erkennt, das man es nicht schaffen wird ... vielleicht ist das auch eine gute Lehre am Berg, auch für unseren Sohn.
Wir waren im Schatten, aber Grindelwald hatte Sonne. Stand da irgendwo unser Zelt? Wir waren über 1600 Höhenmeter über dem Dorf, erkennen konnte man nichts mehr.
Auch über dieses blaue Gewächs stolperten wir;-).
Und dann ging es auch schon wieder talwärts: der Weg bis zum Klettersteig war mühsamer als der Klettersteig selbst, dachten wir mehrfach.
Aber es war immer wieder ein wunderbarer Anblick: wir waren an der Ostflanke der Eigernordwand!
... und kurz danach wieder am Einstieg in den Klettersteig zurück.
Ab diesen Punkt kamen wir auch wieder aus dem Schatten, auf dem Heimweg machten wir an einer Berghütte Rast und genossen einfach nur den Ausblick über das Tal von Grindelwald - noch immer waren wir über den Wolken.
Von hier aus konnte man auch unser eigentliches Ziel sehen: die Ostegghütte oben auf dem Berg.
Irgendwo hier hatten wir uns am Tag zuvor für die falsche Richtung entschieden: vertraut einfach dem GPS. Auch, wenn das Gefühl hier was anderes sagt!
Zurück an der Bahnstation Alpiglen warteten wir auf die letzte Bahn des Tages, viel später hätten wir nicht hier sein dürfen.
Mitten im Bild sieht man den steilen Fels nach oben gehen: dort steht die Ostegghütte. Wir müssen verrückt sein, das in Angriff zu nehmen ... nur gut, das wir so verrückt sind!
Zurück in Grindelwald ... erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, einfach das Ende eines angenehmen Tages: wir waren so richtig knülle von der Strecke, die wir gelaufen waren ...
... und waren heilfroh, den Weg vom Bahnhof bis zu unserer Unterkunft geschafft zu haben ... unser Zelt wartete schon auf uns.

Es war ein Klettersteig "via ferrata" der Schwierigkeitsstufe 3,5 - für uns "Ungeübte" lief es einfach nur prima. Und wir freuten uns jetzt schon auf das nächste Ereignis - der Berg ruft!


zum 3. Tag: Eigertrail und Jungfraujoch
zum 5. Tag: Grindelwald

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