Tag 9: auf den Høgenibba
 
Der Vermieter des Campingplatzes Gryta empfohl uns diese Tour: also fuhren wir am frühen Morgen ein Stück aus dem Tal in Richtung Olden.

Unser Ziel war der Høgenibba "Høge[hoher]nibba[Berggipfel] -> hoher Berggipfel".

Der Høgenibba: er wirkt unscheinbar, wir wußten aber, uns standen über 1000 Höhenmeter bevor.
Wir parkten bei Gjerdane und machten uns nach einem Blick in Richtung Olden marschbereit. Es war ruhiges Wetter, wir würden es schaffen, da waren wir uns recht sicher.
Am Anfang der Strecke war nur Keuchen angesagt: quer durch den Wald ging es einfach nur steil bergauf. Es war ein schmaler, kaum erkennbarer Weg. Immer wieder fragten wir uns, ob wir überhaupt richtig sind ... aber die Beschreibung sprach von einer Brücke mit Türen ... und genau die querten wir hier.
Mitten auf der Brücke wirkte der unscheinbare Bach wie ein reissender Fluß ... und wild.
Wir sollten laut Streckenführung bis zur Alm auf 420 Höhenmeter laufen, dann geht ein Weg rechts weg. Ok, sagten wir uns ... also dann hoch auf den Berg. Der Blick rückwärts auf das Oldendal ... entschädigte für den steilen Aufstieg.
Aber irgendwas stimmte nicht: wir erreichten die Alm, die aber auf 460 Höhenmeter laut GPS lag: 40 Meter Differenz, konnte das sein? Hmm, das GPS taumelt manchmal, sagten wir uns ... obwohl 40 Meter sehr viel klang. Aber es war eine Alm ... und dazu eine wunderschöne.
Neben der Hütte fanden wir Heidelbeeren ohne Ende. Und es war wunderschön warm, es war einfach nur herrlich hier. Wir 3 liefen ohne Oberteil rum, weil es warm war ... aber wir waren ja alleine. Da sah ich einen alten Mann und sagte nur schnell ... "anziehen". Er wirkte wie über 70 und trug einen großen Wasserkanister mit sich.

Als er uns sah ... kam er auf uns zu und sprach uns an. Ok, hier spricht man Nynorsk und mein Norwegisch-Sprachkurs lehrt Bokmål. Ich hatte nur 2 Kurse weg und stammelte etwas. Aber ... wir konnten uns verständigen.
Wir waren verschwitzt, man sah es uns an: und der alte Mann bot uns wirklich sein Wasser an. Er trug das Wasser gut 460 Höhenmeter hoch und bot uns ... von seinem Wasser an. Ich war absolut beeindruckt, das hätte ich niemals erwartet. Wir sagten ihm wir hatten selbst genügend mit und erzählten ihm, dass wir auf den Høgenibba wollten. Er ... erzählte uns über den Bau seiner Alm.
Ich fühlte mich einfach nur geehrt ... von diesem Mann, der ... ohne uns zu kennen, trotzdem bereit war, uns zu helfen, obwohl er dafür viel körperliche Last in Kauf genommen hatte. Ich danke diesem Mann, ich denke, das habe ich in meinem Leben so noch niemals erlebt, dafür mußte ich nach Norwegen fahren!
Er brachte die Einzelteile der "Hytte" mit dem Hubschrauber hier her, erzählte er uns. Und ich war begeistert vom stolzen Norweger, der mir das Foto von ihm erst dann gestattet, nachdem er sich korrekt anzog und stylte. Und Dagfinn ... der Zeltplatzbesitzer, wußte sofort, von wem wir sprachen, als wir abends von der Tour erzählten.

Wir mußten weiter, auch wenn uns die Alm mehr als nur gefallen hatte: auch heute noch ein ganz großes TAKK an den freundlichen Mann.
Wir folgten dem beschriebenen Weg: immer steil dem Wald nach oben, dem schmalen Pfad folgend und nahe dem Waldrand soll es eine Flußquerung geben.
Auf der Strecke waren wir uns dann aber unsicher, ob unser nynorsk ausreichend war, den Mann richtig zu verstehen: der Weg wurde immer schmaler, wir dachten, wir hätten uns erneut verlaufen.
Aber solange der Fluß an unserer Strecke war, stimmte die Richtung doch schon mal ... und wir liefen ja auch weiter auf den Berg zu: Høgenibba (rechts)!
Das Oldendal konnte man auf dem Weg nach oben sehen, sobald sich das kleine Wäldchen etwas lichtete: schon die Aussicht war den Weg wert.
Wir liefen bis an die Waldgrenze und wußten, wir waren zuweit oben. Also ein Stückchen rückwärts und immer am Fluß lang ... und da war auch schon die Querung: hier an diesem Seil gehts rüber :-)!
Und endlich standen wir an der zweiten Alm "Myrsnipa", aber auch vor einem neuen Problem: in Richtung Westen sollte der weitere Weg gehen, aber da war nichts. Also machten wir hier Rast und überlegten, in welche Richtung wir weiter laufen sollten.
Wir querten die Geröllhalde direkt hinter der Sætra immer in Richtung zum beschriebenen Aufstiegsweg in der Hoffnung, nun so doch auf dem richtigen Weg zum Gipfel zu kommen. Ein Trampelpfad war schon lange nicht mehr zu erkennen.
Unser Weg führte uns direkt zum Sattel zwischen dem Høgenibba und dem Neslenibba, dort sollte der Pfad zum Gipfel laut Karte verlaufen. Und es ging wieder steil nach oben ...
Doch auf der Gegenseite konnte man ins Oldendal sehen: das Bild kannten wir, wir wußten, wir waren also richtig.
Und dort oben sind Felder ... voll mit Moltebeeren.
Klein und unscheinbar wirken die Pflanzen, und wenn die Früchte noch nicht total reif sind, schmecken mir die Beeren am besten.
Oben dann ... ein genialer Ausblick auf den Oldevatnet. Und auf unseren Campingplatz. Das Flüsschen Gytrielva sieht von hier aus beschaulich aus, doch unser Zelt steht nur unweit von der Mündung des Flusses im Oldevatnet und da ist es gaaanz schön laut!
Rechts neben dem Fluß gleich rechts neben den beiden Wohnmobilen. ca. mittig im Bild steht unser Zelt. Findest du es?
So sieht man den Jostedalsbreen von hier aus: doch, das lohnt sich auf alle Fälle. Links im Bild sieht man noch den Hang des Neslenibbas (1359m), dann das Eis des Tjøtabreens, der Kattanakken (bis 1460m), der Melkevollbreen, mittig im Bild dann Larsnibba (1593m) und Middagsnibba (1443m), dann wieder das Eis des Melkevollbreens, dann der Blåfjellet (1316m) und so ziemlich rechts im Bild der Høgalmenibba und Rustøyfjellet (1522m). Vergesst dabei nicht: der Startpunkt der Wanderungen ist meist auf 0 Höhenmeter - also doch ein "kleiner" Höhenunterschied;-).
Der letzte größere Fluss am Oldevatnet ist der Yrielva, das grüne Delta am See ist Yri.
Das ist der Kattanakken, näher rangezoomt. Da oben war ich schon! Weiter oben sieht man Slingsbyvarden (1731m), das wäre doch auch mal ein Ziel ...
Noch eine kurze Rast auf dem Høgenibba ... dann geht es für uns wieder ins Tal zurück.
Und unterwegs ... fanden wir immer wieder blühende Moldebeersträucher.
Recht schnell waren wir wieder am Fluß Kaldåna zurück und hatten damit wieder Ausblick nach Olden.
Der Rückweg war wie üblich einfach. Wir fanden den Originalweg und auch Sundssætra - die Alm, bei der wir auf dem Aufstieg abzweigen sollten.
Doch weit unten am Berg passierte es wieder: bei dem Weg-Wirrwarr haben wir wohl irgendwo den falschen Weg genommen.

Kein besonders schwerer oder hoher Berg: aber man hat eine wunderschöne Aussicht ins Oldendal.
Wir fanden eine Brücke, aber es war gewiß nicht die Brücke, die in der Beschreibung stand.
Irgendwann ... folgten wir nur noch einem kleinen Pfad direkt nach unten. Aber da liefen 2 Flüsse aufeinander zu und wir waren in der Mitte ... mußten wir etwa wieder nach oben klettern? Aber wir hatten Glück: weit unten im Tal kamen wir zwischen den beiden Flüssen problemlos durch. Ein kleines Türchen versperrte den letzten Meter zum Tal, aber ... wir überkletterten den Zaun.
Die Welt hatte uns wieder ... und wir waren glücklich: wir hatten - trotz einigen Problemchen - den Høgenibba geschafft.
Wir fuhren zurück zum Zeltplatz, auf dem Heimweg ging die Sonne über dem Jostedalen unter: es war ein wunderschöner Tag.
Es war eine Empfehlung von Dagfinn, hier hoch zu wandern - und wir bereuten es nicht.
Unsere Tour begann bei 51 Höhenmetern, den Gipfel erreichten wir bei 1038 Meter. Wir liefen heute 10,4km in 8½ Stunden.




zum 8. Tag: der Bødalsbreen
zum 10. Tag: zum Storevatnet

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