Tag 2: auf den Rotstock
 
Zeitig am Morgen starteten wir - unser Ziel stand fest, wir wollten auf den Klettersteig "Rotstock", der an der westlichen Seite der Eigernordwand ist. Das Wetter sah noch nicht sehr einladend aus, aber ... das wird schon, dachten wir uns.
Und schon nach unserem Frühstück war blauer Himmel, wir gingen zum Bahnhof Grindelwald Grund (943m) und fuhren mit der Jungfraubahn bis zur Station kleine Scheidegg auf 2061m, von dort bis zur Station Eigergletscher auf 2320m übern Meeresspiegel ...
... und liefen den Eigertrail ein kleines Stückchen nach unten.
Auf dem Eigertrail hat man eine geniale Aussicht auf das kleine Scheidegg und auf Grindelwald - die Eigernordwand ...
... fühlt man aber auf der ganzen Strecke als kalte und ehrwürdige, fast schon furchteinflößende Felswand.

Hier oben ist auch die Kopfstation eines Skiliftes, aber im Oktober lag noch kein Schnee.
Und so liefen wir den Eigertrail bis zum Abzweig zum Rotstock weiter, immer das im Tal liegende Grindelwald vor unseren Augen ...
... an einer kleinen Holzbank war dann der Abzweig, nur unsere Navi zeigte uns den Weg ... den Einstiegspunkt fanden wir mit Hilfe des Geocaching-Verstecks "Eiger Feeling 1".
Hier irgendwo startet der Klettersteig - am Anfang noch mit gut ausgebauten Leitern, später dann nur noch mit Seil.

Klickt mal auf das Bild hier links ... dann seht ihr die Leitern!
Also gingen wir zur Leiter, schauten nochmals in Richtung Grindelwald ...
... und auch zum kleinen Scheidegg, doch wir waren wirklich die einzigsten, die zum Rotstock wollten.
Hier legten wir unsere Ausrüstung an - Helm, Handschuhe, Vollgurt und Falldämpfer. Hier ist jede Menge blöckliges Gestein und viel Eis, man sollte die gesamte Ausrüstung dabei haben.
Das Schild soll wahrscheinlich den Wanderer abschrecken, uns aber nicht - "Achtung, nur für geübte Bergsteiger" ... stand da drauf. Wir wußten, der Klettersteig entspricht Schwierigkeitsstufe 3, wir sollten den also schaffen.
Insgesamt mußten wir gut 350m Höhenunterschied überwinden, und am Anfang ging es über Leitern und Klammern in der Wand schnell nach oben.
Irgendwo nach den ersten paar Metern fanden wir diese Tür mitten im Fels ... klaro hab ich auch mal reingeguckt;-). Wahrscheinlich wird der Fels bald verrohrt, die Teile dafür waren schon vor Ort;-).
Dann wurde der Klettersteig plötzlich schwierig ... nicht nur unser Halteseil war straff vereist, auch die Felsen waren mit einem dicken Eispanzer überzogen - ist halt eine Nordwand.
Als wir das Eisfeld überwunden hatten, wurde es wieder einfacher ... der Weg war sogar als Stufen in den Fels geschlagen, wir kamen gut voran.
Und hatten vor unterwegs immer eine prima Sicht zurück ins Tal.
Das ist der Rotstock ... und dort oben ist unser Ziel ... nur wo ist der Weg nach oben??
Unterwegs gab es Stellen, da fragten wir uns schon, ob wir da jemals wieder nach unten kommen würden ... aber es sieht ja bekanntlich immer schlimmer aus, als es wirklich ist;-).
Auch unterwegs ... hatten wir eine beeindruckende Sicht auf den Eigergletscher, der wie alle Gletscher hier ein Höhengletscher ist, der also weit über 2000 Höhenmetern liegt. Nix mit schnell mal hin, nix mit anfassen .. das geht nur in Norwegen;-)!
Kurz danach erreichten wir das Gipfelkreuz des Rotstocks ... und es kamen auch schon jede Menge kleine Wolken, die uns langsam die Sicht begrenzten.
Wir standen auf 2663m: gut 350m kletterten wir in die Höhe ...
Der Weg nach unten war wie erwartet nicht ganz ohne - ohne komische Gefühle in der Bauchgegend. Steil ging es nach unten, aber das Seil war ja unser Freund;-).
Meist kletterten wir einfach nur am Fels nach unten ...
... aber leider gab es oft vereiste Passagen, die schwierig zu meistern waren.
Es sah aus, als wenn die Felsen überall Zähne hätten ...
Die Leitern nach unten waren zwar keine wirkliche Herausforderung, aber es kostete etwas Überwindung: es war steil!
Auf der Fahrt ins Tal fragten wir uns eigentlich nur eins: wie verrückt müssen wir gewesen sein ... um da oben umher zu klettern? Was hat uns dazu gebracht, die Eigernordwand besteigen zu wollen? Aber wir waren auch stolz, vollkommen unverletzt wieder in Grindelwald anzukommen - und irgendwie war es ja auch ein ganz wunderschöner verrückter Tag heut - so kann es weiter gehen:-)!
Abend im Zelt kochten und bruzelten wir dann - auf dem Zeltplatz gab es nur ein Zelt, unseres. Naja, kein Wunder, morgens war das Gras auch immer so komisch weiß - wir waren heilfroh, dass unsere Schlafsäcke auch noch unter Null gut wärmten ... beim Essen wurde geklärt, dass am nächsten Tag nun die Ostseite der Eigernordwand in Angriff genommen werden sollte - wir wollten zur Ostegghütte. Also ging es pünktlich halb neun ins Bett - wir waren eh total müde und kaputt ...

zum 1. Tag: Anreise
zum 3. Tag: Eigertrail und Jungfraujoch

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