Tag 7: auf dem Galdhøpiggen
 
Auch im letzten Jahr hatten wir es versucht: wir wollten on top auf den Galdhøpiggen, Skandinaviens höchsten Berg. Aber das Wetter spielte damals nicht mit, und wir waren auch ein bissel spät am Tag dran;-).
Also schliefen wir dieses Jahr direkt am Fuß des Berges, wir schliefen am Campingplatz der Spiterstulen turisthytte. Wir frühstückten zeitig und wieder in sehr kalter Umgebung, packten unser Zelt zusammen ...
... und machten uns auf dem Weg zum top of Galdhøpiggen. Schon nach den ersten paar hundert Höhenmetern waren wir gut durchgewärmt ... und liefen trotz Kälte kurzärmlig weiter.
An diesem Punkt machten wir unsere erste Pause - genauso weit kamen wir im letzten Jahr. Ob es dieses Mal besser laufen wird?
Unser Ziel liegt 2469m übern Meeresspiegel - wir starteten bei 1070 Höhenmetern. Theoretisch also genau 1400m Höhendifferenz, aber wir wußten, man spricht von gut 2000 Höhenmetern, die man bewältigen muß: es gibt ein paar Strecken bis zum Gipfel, da geht es wieder einige Meter bergab.

Auf der Gegenseite konnten wir eine Gletscherzunge beim Aufstieg sehen - irgendwo dort mußte der Glittertind sein, Skandinavien zweithöchster Berg.
Noch sieht man den Campingplatz und die Turistenhütte von Spiterstulen im Tal und noch ist das Gelände unter den Füßen grün - aber diesen Anblick mußten wir leider recht schnell hinter uns lassen.
Wir wechselten in steiniges Gelände - große, helle Steine. Ein schmaler Pfad führte durch die Steinwüste, den man aber leicht verlassen oder verfehlen konnte. Alleine ... ist man jedoch niemals unterwegs, dachten wir.
Bald darauf erreichten wir die ersten Schneefelder: am ersten macht das Spaß, weil ... wann macht man im Sommer schon mal einen Schneeball .. aber trotzdem war das besonders kraftraubend, weil man ständig wegrutscht.
Und so dauerte es nicht lange, dass die ersten Kraftreserven aufgebraucht waren und wir wieder eine Pause machten. Wir hatten inzwischen uns auch wieder komplett angezogen, es wurde immer kälter. Gut, dass wir Mützen, Handschuhe und 2 Pullis mithatten - wir würden alles brauchen.
Nein, das ist noch lange nicht der Gipfel - danach ging es wieder zig Meter nach unten, die natürlich später auch wieder nach oben gekrabbelt werden mußten.
Nicht nur der Untergrund wechselte wieder mal - aber nur in der Farbe. Kurzzeitig verließen wir die schwarze Wüste, um helleres Gestein zu queren. Auch wechselte das Wetter ... es wurde feucht ... von oben.
Unterwegs kann man den Styggebreen sehen. Auf unserer Tour begleitet von intensiven Schneefall, so dass man alle Steilhänge nur noch erahnen konnte.
Hier mußte es hunderte von Metern nach unten gehen!
Gute Miene zum bösen Spiel? Nein, wir waren guter Laune, auch, wenn es ganz schön anstrengend war. Die Kälte und der Wind machten uns zu schaffen, wir sahen wie erfroren aus.
Und weiter ging es durch die verschneiten Steinwüsten: nach einem Grat ging es wieder mal bergabwärts.
Leider wurde der Schneefall immer dichter und man konnte nicht mal mehr die umgebenden Berge sehen.
So liefen wir irgendwann richtig durch den Neuschnee, der auch die Spalten zwischen den Steinen verdeckte.
Aber wir gingen auch wieder mal im Nebel ... einige Meter nach unten, um dann wieder den nächsten Anstieg zu nehmen - nach einem Grat läuft man (wahrscheinlich) am Rande eines Gletschers lang, die Farbe des Eises war dort so bläulich ...
Es war so kalt, das an den Steinen Eiszapfen wuchsen ... also genau das Gegenteil, was mit unseren Kräften passierte, die schrumpften immer weiter. Aber wir wollten auf den Gipfel, und so kämpften wir weiter.
Und wir kamen an! Das Bild entstand in der bewirtschafteten Hütte auf dem Gipfel des Galdhøpiggen: wir hatten es geschafft!

Natürlich hatten wir das Geld unten im Auto gelassen, also gab es kein Shirt vom "Top of". Wir wärmten uns durch und machten uns dann wieder auf dem Rückweg.
Hier stehen wir am höchsten Punkt in Skandinavien auf dem Gladhøpiggen - 2469m hoch. Klingt nicht viel, man sollte aber nicht vergessen, dass man weit im Norden ist.
Von hier aus der Blick zur bewirtschafteten Hütte: ob der Pächter auch jeden Tag nach unten läuft ... und wieder hoch?

Die Hütte war total eingefroren, die Scheiben zugeeist - und leider war die Sicht vom Top of auch nicht berauschend an diesem Tag.
So zogen wir wieder los, ins Tal zurück ... wir liefen einfach von der Hütte aus los. Immer geradeaus, bis plötzlich keine Fußspuren mehr zu sehen waren. Das war dann doch schon ziemlich beunruhigend: wir stoppten. Einer lief los und ging bis zum Ende des Sichtkontakt auf Suche ... wir waren falsch, das war sicher ...

Wir fanden den Weg wieder - wir waren genau im rechten Winkel des richtigen Wegs abgebogen ... naja, man komt wohl immer wieder raus. Es könnte nur 5000 Jahre dauern;-).
Den Rückweg über den Gletscher nahmen wir geseilt - wir wollten einfach kein Risiko eingehen.
Und so stampften wir am 19. August - also mitten im Sommer - durch tief verschneite und eingefrorene Gebiete.
Wieder durch die schwarze Steinwüste, die im Abwärtsgang größere Probleme bereitete: der richtige Weg war meist nur zu ahnen, gesehen hat man nichts. Solange vor uns jemand lief, war es einfach: immer hinterher.
Wir kamen wieder am Styggebreen vorbei: von oben wirkte der Gletscher noch beeidruckender.
Am späten Nachmittag erreichten wir dann wieder das Hinweisschild, gut 100 Höhenmeter über unseren Ausgangspunkt. Allzuviel Begeisterung lies sich hier nicht mehr entlocken ... aber wir waren stolz auf uns - bei so einem Wetter hatten wir die Spitze des Galdhøpiggen erreicht.
Die letzten Meter bis zum Auto schafften wir auch noch - wir verliesen Spiterstulen und fuhren Richtung Lom, um uns dort ein Zeltplatz zu suchen.

Im Auto redeten wir nach einer kleiner Erholpause über das Erlebte: wir werden den Berg uns wohl nochmals vornehmen, das steht fest - aber nur, wenn eine gute Sicht ist, denn nur das hatten wir heute vermisst.
Insgesamt liefen wir 12,3km, sagte die Navigation - dafür brauchten wir 10 Stunden und 33 Minuten. Mag sein, dass das keine "Meisterleistung" ist, aber das Wetter ludt ja nun auch nicht gerade ein ...
Wir bewältigten einen Höhenunterschied von 1,69km, ehe wir die Spitze des Galdhøpiggen erreichten. Den mußten wir natürlich auch wieder nach unten klettern;-).


Abends schliefen wir dann wohl sofort im Zelt ein - für heut hat es gereicht ...



zum 6. Tag: vom Oldedal bis zur Spiterstulen (Lom)
zum 8. Tag: von Lom nach Sogndal

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