Tag 13: der Galdhøpiggen
 
Aber das Wetter überlegte es sich wieder mal anders: bei strömenden Regen brachen wir in Lom auf, wir fahren gut 1800 Meter hoch und hoffen dort oben auf Schnee, so war unsere Meinung.

So fuhren wir dann von dem Rv55 in Galdesanden in Richtung Juvasshytta ab, immer bergauf: weit über 1500 Höhenmeter in vielleicht 8km Länge: da muß es doch aufhören zu regnen ...
Doch auch weit oben ... regnete es. Na ihr wißt schon ... wie aus Gießkannen.
Wir erreichten den Juvassvatnet, der zu großen Teilen aufgetaut war. Hier oben gibt es nichts außer Steine, Eis und Wasser. Ok, Schnee auch noch.

Trotzdem ist es eine wunderschöne Berglandschaft. Und der optimale Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den Galdhøpiggen, Skandinaviens höchsten Berg.
Aber das Bild am Vesljuvbreen erschreckte: so hatten wir diesen Gletscher noch niemals gesehen. Blankeis. Kein Schnee auf dem Gletscher! Was war hier passiert? Warum gab es keinen Schnee hier? Das Sommerskisenter war geschlossen ... klar, auf dem Eis konnte man nicht Ski fahren. Welche Wettersituation führte zu diesem Bild???
Es regnete. Nein, es schüttete. Wir liefen in Richtung Top des Galdhøpiggen, erstmal bis zum Gletscher. Ein Warnschild steht kurz vor dem Eis ... trotzdem gehen einige ohne Seil, so hatten wir es letztes Jahr gesehen.
Kurz vor dem Gletscher Styggebreen machten wir eine kurze Pause und berieten: es regnete in Strömen, sollten wir wirklich weitergehen?

Wir wollten hoch, das Wetter mußte einfach besser werden, viel schlimmer geht es doch kaum ... dachten wir.
Doch "stygge" bedeutet soviel wie schlecht, schwer ... und sogar hässlich, böse und gemein. Genauso war der Gletscher.

Jeder Fußtritt verschwand im knöchelhohen Wasser. Überall Matsch, egal, welchen Weg man suchte: oben ein paar Zentimeter Schnee, darunter Wasser. Unsere Schuhe hielten das leider nicht durch, bald wurde es an den Füssen naßkalt. Von oben kam der Rest ... wir hofften auf die Hütte oben am Top ... aufwärmen.
Am Ende des Gletschers geht man auf einem Steinfeld weiter nach oben, der Wind nahm zu, es wurde stürmisch und eiskalt.

Wir waren hungrig, hofften, die Hütte möge bald kommen ... aber zuerst der steile Anstieg zum Gipfel. Es zerrte an den Kräften, JETZT aufgeben ... war der ständige Gedanke.

Aber es scheint einen Gipfelmagneten zu geben ...
Beim Aufstieg trafen wir eine norwegische Gruppe, die meinte ... die Gipfelhütte sei geschlossen ... doch das glaubten wir nicht.

Jetzt saßen wir vor der Hütte. Die Hütte war geschlossen.

Vollkommen durchnäßt und durchgefroren wurde schnell was gegessen, es ist genau die Situation, wo Gefahren entstehen: ich drängte zum Abstieg.
Wir waren oben, doch wir hatten keine Sicht: das ist die Hütte am Top des Galdhøpiggen. Der Abstieg war anstrengend, der Schnee war an der Oberfläche gefroren, jeder Schritt raubte Kraft.
Die großen Steine waren eisüberzogen, ich wunderte mich, dass wir überhaupt ohne abzurutschen hier runter kommen könnten ...
... doch wir erreichten die Anseilstelle beim Styggebreen und seilten uns am angeblich perfekt imprägnierten Gletscherseil an.
Rückzug über den Gletscher: es war egal, welchen Weg man nahm, es ging einfach durchs stehende Wasser zurück in Richtung Juvasshytta.
Wir mieden den "Standardweg" - es waren bereits Bäche. Etwas weiter bergauf ... ging es besser. Wir hofften, ohne Spaltensturz über den Gletscher zu kommen ... es wäre ein Eiswasserbad, kein abrutschen in eine Spalte ...
Doch wir hatten Glück, wir kamen sicher über den Gletscher und wanderten die Schneefelder in Richtung der Juvasshytte.
Aber was heißt schon in Richtung der Hytte? Es wurde neblig, wir verloren die Orientierung komplett: unser Gefühl sagte, da hätte schon lange die Hütte sein müssen ... aber es gab nur Geröll, Eis und Schneefelder.

Ohne Hilfsmittel ... wäre jetzt ein schlechtes Gefühl aufgekommen, doch das GPS zeigte uns den Weg zurück in Richtung der Hütte - wir waren einige hundert Meter an der Route vorbei gelaufen.
Dann verlor sich plötzlich der Nebel ... und wir standen vor der Juvasshytte. Im Vorraum wurden wir entgeistert gemustert ... aber wir waren nur froh, wieder heile unten zu sein. Wir kauften T-Shirts "Juvasshytta" ... und machten uns schnell wieder in Richtung Lom, Zeltplatz.

Kaum zu glauben, keine 10km neben der Zivilisation ist man komplett in der Wildnis, in der Villmark. Doch wir schlugen uns prima, denke ich: trotz mieser Witterung schafften wir es bis zum Gipfel und genauso zurück. Dazu gelernt haben wir: die Schuhe müssen besser werden. Und die mitgenommene Verpflegung und Ausrüstung waren goldwert!
Die lila Strecke ist die Anfahrt zur Juvasshytta, die grüne Tour ist die Besteigung des Galdhøpiggen.
Es ist die gesamte Tour, also die Autostrecke und die Bergstrecke gemischt.

zum 12. Tag: vom Oldendal nach Lom
zum 14. Tag: der Lomseggen-Klettersteig

zur Übersicht Norwegen 2010 / Details der Reise 2010

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